Verreisen in Zeiten einer globalen Pandemie bringt genug Herausforderungen und Ungewissheiten mit sich – dennoch möchten einige nicht auf die lang ersehnte Erholung verzichten.
Doch nun verfolgt die Politik die Intention, voraussichtlich mit Wirkung zum 01.Oktober, für Reiserückkehrer aus vom Robert-Koch-Institut als Risikogebiete eingestuften Regionen eine allgemeine Quarantänepflicht, für eine Dauer von bis zu vierzehn Tage anzuordnen. Eine negativer Corona-Test frühestens fünf Tage nach Ihrer Rückkehr könne diese Quarantäne etwas verkürzen. Ersetzt werden soll damit die bisherige Praxis, durch verpflichtende Corona-Tests und anschließendem negativen Befund, eine allgemeine Selbstisolation zu umgehen.


Habe ich einen Anspruch auf Lohnfortzahlung?

Zunächst einmal stehen Sie als Arbeitnehmer gegenüber Ihrem Arbeitgeber in der Pflicht, die vertraglich geschuldete Arbeitsleistung persönlich, in der Regel an der Arbeitsstätte, zu erbringen. Dafür tragen sie die Verantwortung bzw. das Risiko, die Leistung nicht erbringen zu können. Demzufolge würde eine selbstverschuldete Arbeitsverhinderung aufgrund einer gesetzlichen Quarantäneanordnung Ihrem Risikobereich zufallen, sodass sie währenddessen gegebenenfalls vertraglichen Urlaub nehmen bzw. zumindest auf Lohnfortzahlung durch Ihren Arbeitgeber verzichten müssten. Dies jedenfalls dann, wenn sie wider besseren Wissens eine Reise in ein als Risikogebiet eingestufte Region antreten und die Arbeitsverhinderung dadurch bewusst in Kauf nehmen.

Gibt es eine finanzielle Entschädigung?

Im Falle der Corona-Pandemie ist darüber hinaus aber das sogenannte Infektionsschutzgesetz zu berücksichtigen. § 56 Infektionsschutzgesetz enthält für diese Fälle eine Regelung, welche das Risiko für derartige Arbeitsverhinderungen nicht mehr einseitig dem Verantwortungs-bereich des Arbeitnehmers zuschreibt.

Vielmehr haben Sie, sofern die Ausübung Ihrer Arbeitstätigkeit durch eine behördlich angeordnete Quarantänepflicht unmöglich ist, einen Anspruch auf finanzielle Entschädigung in Höhe Ihres Verdienstausfalls. Zudem müssten Sie in einem solchen Fall keinen vertraglichen Urlaub nehmen. Diese Entschädigungszahlung hat Ihnen grundsätzlich Ihr Arbeitgeber zu leisten, welcher seinerseits Erstattung gegenüber der zuständigen Behörde verlangen kann. Dies gilt für eine gesetzliche Arbeitsverhinderung von bis zu sechs Wochen.

Schon bald keinen finanziellen Ausgleich mehr

Doch nun sollten Sie beachten, dass Bund und Länder dahingehend eine Rechtsänderung beabsichtigen. Konkret bedeutet dies, dass der eben beschriebene Entschädigungsanspruch nur dann besteht, sofern eine Region während ihres Aufenthalts vor Ort unvorhergesehen als Risikogebiet eingestuft wird, da dies in der Regel bei Reiseantritt noch nicht absehbar war.

Im Umkehrschluss heißt das, dass sofern die Region bereits bei Reiseantritt als behördlich eingestuftes Risikogebiet bekannt war, und Sie folglich bewusst und wider besseren Wissens dorthin verreist und eine anschließende Quarantäne in Kauf genommen haben, kein gesetzlicher Entschädigungsanspruch Ihrerseits besteht.

Hat dann eine Reise in ein Risikogebiet arbeitsrechtliche Folgen?

Zudem trifft Sie bezüglich der notwendigen Selbstisolation, und der damit verbundenen Arbeitsverhinderung nach ihrer Rückkehr ein Vorwurf des Verschuldens, welchen Ihr Arbeitgeber Ihnen anlasten könnte. Nicht auszuschließen wären unangenehme Konsequenzen einer arbeitsvertraglichen Abmahnung bis hin zu einer außerordentlichen Kündigung aufgrund einer schwerwiegenden und nachhaltig vertrauensschädigenden Pflichtverletzung Ihrerseits gegenüber ihrem Arbeitgeber. Dabei stünden sich stets dessen betriebliche und Ihre privaten Interessen gegenüber.

Vorteile für Homeoffice Arbeitsplätze?

Etwas milder könnten sich die Folgen darstellen, sofern im Rahmen Ihrer Tätigkeit die rechtliche und tatsächliche Möglichkeit, die geschuldete Arbeitsleistung von zu Hause aus zu erbringen, bestünde. Sodann wären Sie verpflichtet, auch während der Dauer der Quarantäne ihre Arbeitsleistung aus der Selbstisolation heraus zu erbringen. Selbstverständlich behielten Sie sodann auch Ihren „ganz normalen“ Lohnanspruch gegenüber Ihrem Arbeitgeber.

Wie sollten Sie sich verhalten?

Unabhängig davon sollten Arbeitnehmer jedoch die außervertraglichen „Nebenfolgen“ einer Reise in eine als Risikogebiet bekannte Region bedenken. Eine bewusst in Kauf genommene Arbeitsverhinderung zu Lasten Ihres Arbeitgebers und der dadurch bei diesem entstehenden Eindruck kann sich mitunter als negativ herausstellen und den Fortbestand des Arbeits-verhältnisses belasten.

Sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber

Insofern ist eine sorgfältige Abwägung und anfängliche Offenheit gegenüber dem Arbeitgeber bezüglich der geplanten Reise mehr als ratsam, um dessen Zustimmung zu erfragen und unangenehme Konsequenzen für die arbeitsrechtliche Beziehung zu Ihrem Arbeitgeber zu vermeiden.

Bereits gebuchte Reisen in Gebiete, für die eine amtliche Reisewarnung des Auswärtigen Amtes besteht, können Verbraucher darüber hinaus in der Regel kostenlos stornieren, sodass diese Option auch stets in Ihren Überlegungen Berücksichtigung finden sollte.

Wir beraten und helfen

Sollten Sie dahingehend Beratungsbedarf verspüren oder tatsächlich mit einer vergleichbaren Situation konfrontiert sein, bieten wir als Jurasolutions Ihnen umfassende rechtliche Beratung zu den Themen rund um Ihr Arbeitsverhältnis sowie einer bereits gebuchten Urlaubsreise und wenn nötig, anwaltliche Vertretung zur Wahrung Ihrer Rechte und Durchsetzung etwaiger Ansprüche.

Scheuen Sie nicht, sich mit Ihrem Anliegen an uns zu wenden, um eine Ersteinschätzung zu erhalten. Wir rufen Sie gerne jederzeit zurück. Hier können Sie gleich einen Termin zur Telefon- oder Videoberatung vereinbaren!

Ein Beitrag von: Rechtsanwalt Karlheinz Kutschenreiter und wissentschaftlichen Mitarbeiter Kilian Kutschenreiter


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